Serendipity für Journalisten

Der glückliche Zufall lässt sich in der Recherche systematisch herausfordern. Es winken neue Blickwinkel auf bekannt geglaubte Gegebenheiten.

WiWo-Chefredakteurin Miriam Meckel hat vor knapp einem Jahr einen Newsletter unter dem Namen serendipity gestartet, in dem sie sonntäglich von den kleinen und großen Zufällen des Lebens im allgemeinen und der Wirtschaft im Besonderen berichtet. Serendipität (englisch serendipity), laut Wikipedia „eine zufällige Beobachtung von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem, das sich als neue und überraschende Entdeckung erweist“, ist für Journalisten wichtiger denn je. Das Prinzip Serendipity ist für Journalisten wichtiger denn je. Denn: Medienmacher, die bei ihrer Recherche vor allem auf Suchmaschinen setzen, steuern oft in eine Sackgasse. Sie finden meist nur, wonach sie suchen – und verstärken damit vorgefertigte Thesen, Tendenzen und Meinungen. Darüber hinaus rücken immer wieder jene Quellen in den Fokus, die bereits zu einem Thema zitiert wurden.
Laut einer Studie der Universität der Bundeswehr aus dem Jahr 2015 setzen zwei von drei Journalisten bei der Erstrecherche auf Suchmaschinen. Für rund jeden Dritten sind Suchmaschinen mittlerweile das wichtigste Instrument – weit vor persönlichen Kontakten oder gar der Recherche vor Ort. Für eine ergebnisoffene Informationsbeschaffung empfiehlt sich jedoch zusätzlich eine Vorgehensweise, die der immer komplexeren Vernetzung bei Themen gerecht wird. Eine Recherche, bei der auch Serendipity eine Chance hat.

Unerwartetes zulassen statt Erwartetes suchen

Schließlich gewinnen im Wettbewerb der Medien und Medienproduzenten Aspekte wie Neuheit oder Exklusivität an Gewicht. Auf der Gewinnerseite stehen langfristig Journalisten, die das Unerwartete zu Tage fördern statt nach dem Erwarteten zu suchen. Hier setzt seit jeher Recherchescout an, indem die Plattform Journalisten und Informationslieferanten aus Unternehmen, Verbänden, Hochschulen und Organisationen ähnlich wie eine Partnerbörse matchingbasiert zusammenzubringt. Über die Kategorien werden bei Recherchescout Experten angefragt, die der Journalist oftmals gar nicht auf dem Radar hat oder haben kann. So kann sich er sich mitunter völlig neue Aspekte und Sichtweisen erschließen. Das Ergebnis sind im Idealfall wirklich neue Informationen, authentische Zitate und unveröffentlichte Daten. Den Journalisten bleibt es überlassen, über die Qualität der Informationen zu entscheiden beziehungsweise im so zustande gekommenen Rechercheprozess die richtigen Fragen zu stellen. Sich technologiebasiert zusätzlich auf Serendipity einzulassen, lohnt sich – wie auch Meckels Newsletter, den es übrigens hier gibt.

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