Wenn Tante Erna zur Journalistin wird

Aufweichung des Journalistenbegriffes, die Kraft neuer Kanäle und des geliebten Fernsehens, Billigmentalität beim Nachrichtenkauf: Der Digital News Report vom Reuters Institute gibt umfassende Einblicke in die Veränderung der Nachrichtenbranche. Wir vom Recherchescout haben für Sie einen Blick auf die umfangreiche Untersuchung geworfen.

Was ist eigentlich Journalismus? Früher war das einfach: Zwei öffentliche Fernsehsender und eine Handvoll etablierter Tageszeitungen begrenzten den Berufsstand des Journalisten auf einen kleinen, exklusiven Kreis.

Mittlerweile verschwimmen die Grenzen zwischen Berufsjournalisten und Hobbyschreibern jedoch zunehmend. Medienberichterstattung ist nicht mehr einseitig, Kommentarfunktionen ermöglichen die Diskussion mit dem Leser. Allerdings führt das auch dazu, dass viele Privatpersonen sich dazu berufen sehen, ihre eigene Sicht auf die Welt zu teilen. In Zeiten von „alternativen Fakten“ kann das mit einem gefährlichen Vertrauensverlust in die etablierten Medien einhergehen.

Der Digital News Report vom „Reuters Institute for the Study of Journalism“ basierend auf einer von YouGov durchgeführten Umfrage mit über 50.000 Teilnehmern aus 26 Ländern setzt sich daher mit den Auswirkungen der digitalen Transformation auf Medien- und Nachrichtenkonsum auseinander.

Die Umfrageergebnisse fundieren die Annahme, dass sich Verlage und Publisher weltweit einer massiven Disruption ihrer Geschäftsmodelle gegenübersehen. Ursachen dafür sind vor allem in der steigenden Nutzung sozialer Netzwerke zu sehen, insbesondere über mobile Endgeräte, kombiniert mit der zunehmenden Ablehnung von Werbung im Netz.

Der grundlegende globale Trend, Nachrichten immer mehr über Social Media zu konsumieren, ist wenig überraschend. Dabei geht es jedoch nicht darum, traditionelle Medien als fundierte und zuverlässige Informationsquelle zu ersetzen. Eher geht es darum, einen möglichst breiten Überblick über aktuelle Geschehnisse zu bekommen und mit dem Netzwerk zu interagieren.

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Quelle: Digital News Report, S. 12

Besonders die Deutschen scheinen wie so oft an ihren lieb gewonnen Tradition festzuhalten. Als eine der wenigen Nationen in Europa wird der Fernseher als favorisiertes Medium für den Nachrichtenkonsum genannt. Für deutsche Medienunternehmen bedeutet das aber keineswegs Entwarnung – vor allem bei den Jüngeren haben mobile Angebote und Social Media dem Fernseher bereits den Rang als Informationsquelle abgelaufen. Problematisch hierbei: Die Zahlungsbereitschaft für Zeitungsartikel im Netz nimmt ab, Querfinanzierung über Werbeeinnahmen funktioniert aber aufgrund der zunehmenden Verbreitung von Ad-Blockern auch nicht. Es bleibt also abzuwarten, wie die Verleger der Generation Online zukünftig einen Mehrwert bieten können, für den die Konsumenten auch bereit sind in die Tasche zu greifen.

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