„Lest Zeitung! Vom rein digitalen Leben kriegt ihr einen Buckel und Depressionen“

Auflageschwund, Vertrauensverlust, Informationsflut, Hasskommentare, Chancen der Digitalisierung oder Social-Media-Hype: Fortan berfragt Recherchescout regelmäßig Medienmenschen zur aktuellen Medienlandschaft. Auftakt: Journalist und Verleger Peter Turi.

Peter Turi

Peter Turi, Baujahr 1961, machte in seiner Jugend Alternativzeitungen, brach das Studium ab, brachte den kressreport ins Internet und scheiterte mit dem Suchsystem internet123. Kam wieder als Küchenblogger und 2007 mit turi2.

Herr Turi: FAZ oder SZ? Warum?
Beide. Und drei andere. Weil ich Zeitungen mag und mir elektronische Geräte nicht auf den Frühstückstisch kommen (jedenfalls meistens).

Der Durchschnittsdeutsche glotzt jeden Tag 3,5 Stunden fern, hört 2 Stunden Radio, liest 40 Minuten Zeitung, surft 2 Stunden im Netz: Wie sehr sind Sie Durchschnitt?
Offensichtlich gar nicht: Bei mir sind es 1 Stunde TV, 0,5 Radio, 2 Stunden Zeitung, 3 Stunden Internet, 1 Stunde Zeitschriften.

Wenn Sie vor einer Schulklasse zum Thema Medienkompetenz sprechen müssten – was würden Sie der Generation Facebook auf den Weg geben?
Schaltet so oft wie es geht Eure Smartphones aus. Vom rein digitalen Leben kriegt Ihr früher oder später einen Buckel und Depressionen. Das wahre Leben ist analog: Menschen, Freunde, Sport, Musik, Theater, Kultur, Kochen, soziales Miteinander, Reisen. Im Digitalen verkümmern Eure Sinne. Und: Lest Bücher, Zeitungen, Zeitschriften.

Welche jüngsten Beispiele aus der Medienbranche machen Ihnen Mut?
Die sehr gute Resonanz auf unser Print-Plädoyer „turi2 edition“ und die Wertschätzung, die unser Team für die Arbeit bei turi2.de und der „edition“ erfährt – von Lesern und Anzeigenkunden.

Welche jüngsten Beispiele aus der Medienbranche machen Ihnen Angst?
Angst macht mir mit 55 gar nix mehr. Aber es gibt schon viele Trends, die unschön sind: Das Geschrei in Social Media, der Raubbau an Print, die Konformität des Mediennachwuchses – es läuft wirklich nicht alles so, wie ich es mir wünsche.

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