Nicole Westhauser

Nicole Westhauser: „Was ich wissen möchte, bringe ich immer in Erfahrung.“

Nach Ulli Pesch im Juli beantwortet heute Nicole Westhauser unsere Fragen. Sie hat über eine duale Ausbildung den Weg zum Journalismus eingeschlagen und äußert eine klare Meinung, wie kleine Lokalredaktionen auch in Zukunft am Markt bestehen können.

3 x Nicole Westhauser

Wer ist Nicole Westhauser? Bitte stellen Sie sich kurz vor.
Ich bin eine 28-jährige Schwäbin. Derzeit arbeite ich in einem kleinen Verlag und baue mir nebenberuflich eine freiberufliche Tätigkeit auf. In meiner Freizeit mache ich gerne Sport. Mein Traum ist es, irgendwann meinen ersten Roman fertigzustellen und damit auf der Spiegel-Bestsellerliste zu landen.

Was können Sie gut?
Womansplaining. Nein, Spaß beiseite. Ich denke beruflich gesehen bin ich im Recherchieren recht gut. Was ich wissen möchte, bringe ich immer in Erfahrung. Dazu trägt sicher auch meine ausgewachsene Neugier bei.

Auf welche Geschichten sind Sie stolz? Welche Beiträge zeigen Sie besonders gerne?

Einmal habe ich eine Reportage über die Nachtschicht bei der Polizei gemacht. Auch wenn es in der Nacht recht ruhig war, habe ich doch sehr viel über die Polizei-Arbeit gelernt und mit welchen Problemen die Beamten zu kämpfen haben. Stolz bin ich ebenfalls auf eine Sonderbeilage zum 125-jährigen Jubiläum des Autos, welche ich in meiner dualen Ausbildung alleine betreuen durfte. Das erste große Projekt als Student – da wird man immer stolz darauf sein.

3 x Journalismus

Das Ansehen des Berufstands ist seit Jahren schlecht. Die Arbeitsbedingungen sind es oft auch. Warum sind Sie eigentlich Journalist geworden?
Schon als Kind habe ich gerne geschrieben und durch ein Praktikum in der örtlichen Lokalredaktion, habe ich gemerkt, dass das genau mein Ding ist. So hänge ich schon seit 13 Jahren an dem Beruf.

In den letzten Jahren hat sich die Medienlandschaft stark gewandelt. Was hat sich für Sie persönlich verändert?
Nach dem Studium war es schwer eine Stelle zu bekommen und schon während meiner dualen Ausbildung war ich mittendrin in der Zeit der Streiks der Zeitungsredakteure. Deswegen musste ich mich nach einem anderen Job in einem völlig anderen Bereich umsehen. Über einen Umweg bin ich jetzt wieder zurück in einer Redaktion. Ich musste auch die Traumvorstellung von dem investigativen Super-Journalisten an den Nagel hängen – so einfach, wie man manchmal glaubt, ist es gar nicht die EINE Story zu finden oder aufzudecken. Mit Vorurteilen gegenüber Journalisten habe ich selten zu kämpfen. Zwar gibt es viele Interviewpartner, die anfangs skeptisch sind. Aber meistens tauen diese während der Gespräche auf und merken, dass wir auch nur Menschen sind.

#FakeNews, Verlust des Geschäftsmodells von Verlagen. Krisenmeldungen zum Journalismus gibt es genug. Was wird in Zukunft besser? Wo sehen Sie spannende Entwicklungen?

Die großen überregionalen Tageszeitungen haben online inzwischen eine große Reichweite. Kleinere, vor allem regionale, Tageszeitungen und andere Verlage werden diese Reichweite nie bekommen und müssen daher umdenken. Das Internet eignet sich für schnelle, aktuelle und kurze Informationen bzw. Nachrichten. Aufgrund von Personalmangel können kleinere Verlage diesen Bereich nur mithilfe von Agenturmeldungen abdecken – das macht aber so ziemlich jeder Verlag und daher ähneln sich alle in diesem Bereich der Berichterstattung. Diese kleineren Verlage müssen sich deswegen auf umfangreiche Hintergrundberichterstattung und lokale Neuigkeiten spezialisieren, um auch in Zukunft am Markt bestehen zu können und den Lesern einen Mehrwert zu bieten. Zudem sollte meiner Meinung nach über eine Art „GEZ“ o.ä. für Verlage nachgedacht werden, um die Pressevielfalt in Deutschland aufrechtzuerhalten. Das muss ja nicht einmal eine Zwangsabgabe sein, wie es der Rundfunkbeitrag ist. Subventionen oder vielleicht Spenden sind sicher ausreichend. Allerdings muss dann auf mögliche Einflussnahme der Geldgeber geachtet werden. Die Menschen sind inzwischen sogar wieder bereit für guten Journalismus Geld auszugeben. Das ergibt sich aus der Entwicklung nach den Fake News-Skandalen. Der Beruf des Journalisten wird sich zwangsläufig weiter verändern: Online muss er genauso beherrschen wie Print und Video. Ein „Mädchen für alles“ quasi. Zudem gehen immer mehr Journalisten auch auf die „dunkle Seite der Macht“ und übernehmen PR-Tätigkeiten in Unternehmen. Erstens ist dort die Bezahlung meist besser, zweitens wissen die Unternehmen inzwischen die Arbeit der Journalisten zu schätzen. Doch auch hier wird das Thema Unabhängigkeit wichtig blieben, um eine freie Presse weiterhin garantieren zu können. Langfristig werden wir um spezielle Regeln für Journalisten, die sowohl für Verlage, als auch Unternehmen tätig sind bzw. sein müssen, nicht drum herum kommen.

3 x Praktisch

Was ist Ihr wichtigstes Arbeitsutensil (außer Laptop und Smartphone)?
Stift und Notizblock. Im täglichen Leben stößt man immer wieder auf interessante Geschichten oder Ideen. Da muss man sich schnell Notizen machen können.

Welche Tools (außer Recherchescout) nutzen Sie für die Recherche?
Ich denke, da mache ich nichts anderes wie meine Kollegen: Suchmaschinen, Behörden, Institutionen, Verbände, Unternehmen usw.

Medientipps: Welche Zeitungen und Zeitschriften lesen Sie? Welche Blogs halten Sie für besonders interessant? Welchen Personen folgen Sie auf Twitter?

Blogs nutze ich hauptsächlich privat und da besonders die Bereiche Sport und Ernährung. Ich lese ansonsten querbeet, je nachdem, was die jeweiligen Zeitungen und Zeitschriften gerade berichten. Meistens handelt es sich um die Webseite der regionalen Zeitung vor Ort, Spiegel, Focus, Stern, Süddeutsche und Horizont. Über die aktuellsten Nachrichten informiere ich mich meist im Radio. Twitter nutze ich gar nicht mehr oder nur noch in Ausnahmefällen, da ich anderer Stelle bessere Informationen erhalte.

Vielen Dank für Ihre Antworten, Nicole Westhauser!

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