Jessika Fichtel

Lokaljournalismus, Blogs und Schreiben als Leidenschaft: Interview mit Jessika Fichtel

Nach Patrick Grosse, begeisterter Online-Journalist, und Sabine Elsässer, Gründerin des Print-Magazins StartupValley, stellen wir heute Jessika Fichtel vor, die als Bloggerin und freie Journalistin ihre Leidenschaft „Schreiben“ zum Beruf gemacht hat.

3 x Jessika Fichtel

Wer ist Jessika Fichtel? Bitte stellen Sie sich kurz vor.
Ich lebe und arbeite seit zwei Jahren als freiberufliche Journalistin, Autorin und Bloggerin in Erfurt. Das Abenteuer Selbstständigkeit begann für mich direkt nach dem Studium. Seit ich diese Entscheidung getroffen habe, habe ich sie noch nicht einmal bereut.

Was können Sie gut?
Schreiben. Und mit Menschen in Kontakt kommen, um ihre Geschichten zu erfahren.

Auf welche Geschichten sind Sie stolz? Welche Beiträge zeigen Sie besonders gerne?
Besonders stolz macht mich mein Blog Feels like Erfurt. Seit seiner Gründung im März 2015 hat er sich ständig weiterentwickelt und ist in verschiedene Richtungen gewachsen. Inzwischen hat er sich sogar in der lokalen Medienlandschaft etabliert und dient vielen Erfurtern (und Thüringern) als wichtige Informationsquelle.

3 x Journalismus

Das Ansehen des Berufstands ist seit Jahren schlecht. Die Arbeitsbedingungen sind es oft auch. Warum arbeiten Sie eigentlich als (Teilzeit-)Journalistin?
Weil Schreiben meine Leidenschaft ist und ich nie etwas anderes machen wollte. Das mag idealistisch klingen, aber ich für meinen Teil kann behaupten, dass mein Traum in Erfüllung gegangen ist – dank Selbstständigkeit sogar ganz ohne schlechte Arbeitsbedingungen.

In den letzten Jahren hat sich die Medienlandschaft stark gewandelt. Was hat sich für Sie persönlich verändert?
Die Qualität des Lokaljournalismus hat stark abgenommen – meiner Meinung nach wegen viel zu steifer Strukturen und einer „Das war schon immer so“-Mentalität. In den lokalen Medien fehlt mir ganz eindeutig der frische Wind. Denke ich zurück an meine Bewerbungsphase nach dem Studium, ist das den Verantwortlichen aber egal.

#FakeNews, Verlust des Geschäftsmodells von Verlagen. Krisenmeldungen zum Journalismus gibt es genug. Was wird in Zukunft besser? Wo sehen Sie spannende Entwicklungen?
Die Zukunft des Journalismus ist digital. In diesem Zusammenhang werden auch Blogs zukünftig noch mehr an Bedeutung gewinnen. Die klassischen Medien müssen das nicht nur erkennen, sondern sich für die Entwicklungen öffnen und für Kooperationen bereit sein. Das klappt häufig schon sehr gut, in manchen Fällen aber auch (noch) gar nicht.

3 x Praktisch

Was ist Ihr wichtigstes Arbeitsutensil (außer Laptop und Smartphone)?
Mein Bullet Journal – eine Mischung aus Terminkalender, Notizbuch und Projektplaner. Das analoge Hilfsmittel lässt mir viel kreativen Spielraum und bietet unzählige Möglichkeiten der Nutzung und Gestaltung. Eine tolle Ergänzung zu meinem sonst sehr digital geprägten Arbeitsalltag.

Welche Tools (außer Recherchescout) nutzen Sie für die Recherche?
Das wichtigste Tool (wenn man es denn so nennen darf) ist mein lokales und überregionales Netzwerk. Ansonsten ist natürlich Google die erste Adresse, um mich in ein Thema grundlegend einzulesen.

Medientipps: Welche Zeitungen und Zeitschriften lesen Sie? Welche Blogs halten Sie für besonders interessant? Welchen Personen folgen Sie auf Twitter?

Ein sehr spannendes Format ist das Archiv/e Magazin – eine gedruckte Sammlung verschiedener Blogs. Sehr interessant finde ich auch den Blog „einfach katja“, auf dem eine Frau mit Behinderung ziemlich ehrlich und offen über ihre Suche nach (körperlicher) Liebe schreibt. Auf Twitter suche ich nicht explizit nach Personen, sondern eher nach Hashtags – beispielsweise während oder nach einer spannenden Veranstaltung. Wenn von dort fleißig getwittert wird, hat man fast schon das Gefühl, dabei zu sein. Ein konkreter Medientipp von mir ist Trajan Tosev, der gerade sehr guten Content rund um Instagram liefert.

Vielen Dank für Ihre Antworten, Jessika Fichtel!

 

Fotocredit: Konstanze Wutschig

Ein Gedanke zu „Lokaljournalismus, Blogs und Schreiben als Leidenschaft: Interview mit Jessika Fichtel

  1. Pingback: Die Medienkontakt-Plattform "Recherchescout" | JF Texte

Kommentieren Sie den Artikel

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.