Nachrichtenüberblick Fachjournalisten

Wie sich Journalisten einen Nachrichtenüberblick maßschneidern können

Gemütlich bei einer Tasse Kaffee die Tageszeitung überfliegen und dazu vielleicht das monatlich erscheinende Fachmagazin durchblättern? Das reicht für Journalisten in den wenigsten Fällen, um in ihrem Thema am Ball zu bleiben. Die Digitalisierung hat jedoch nicht nur die Halbwertszeit von Informationen dramatisch verringert, sondern auch Tools hervorgebracht, um einen Nachrichtenüberblick sehr feingranular auf die eigenen Interessen einzustellen. Die vier wichtigsten Werkzeuge stellen wir hier vor:

1. Twitter

Der 2006 als „twttr“ gegründete Dienst wird als Kommunikationsplattform, als soziales Netzwerk und als Mikroblogging-Tool definiert. Momentan hat Twitter 317 Million aktive Nutzer weltweit, davon wahrscheinlich 1 Million in Deutschland. Ein Nutzer „followed“ jedem, der ihn interessiert – egal, ob das Katy Perry (103 Mio Follower), Barack Obama (93 Mio Follower) oder eben ein Experte für ein besonderes Thema ist. Es wird über „Tweets“, auf 140 Zeichen begrenzte Kurznachrichten, kommuniziert. Mit den Tweets der für die eigene Arbeit relevanten Experten lässt sich ein sehr kompakter Newsfeed zusammenstellen. Wenn Sie Twitter schon privat nutzen und diesen Dienst nun zusätzlich für den beruflichen Nachrichtenüberblick einsetzen möchten, bieten sich Twitter-Listen an. Über diese Listen erfahren Sie gesondert, was diese Accounts veröffentlichen.

Vorteile: Twitter ist sehr schnell. Hier erfährt man oft als erstes die Neuigkeiten. Legendär ist die erfolgreiche Wasserlandung einer Airbus auf dem Hudson, die zunächst via Twitter verbreitet wurde. Zudem ist oftmals die Qualität der Postings hier höher als bei anderen Social Networks, da viele Experten sich auf Twitter mit gut kuratierten Inhalten profilieren möchten.

Nachteile: Deutschland ist nach wie vor Twitter-Entwicklungsland. Für Journalismus-, Online-Marketing-, Startup- und Digitalisierungsthemen finden Sie auf Twitter eine große Fülle interessanter Experten. Bei anderen Themen schaut es oft düster aus.

2. Facebook

Facebook müssen wir bei 1,8 Milliarden monatlich aktive Nutzer und 30 Millionen in Deutschland wohl kaum vorstellen. Nahezu alle Medien betreiben eine Facebook-Seite und veröffentlichen dort Links zu ihren populärsten Beiträgen. Zudem erlauben viele Experten, ihre Neuigkeiten zu abonnieren. Manche richten sich gleich eine Seite ein. Früher gab es bei Facebook die Möglichkeit, Interessenslisten anzuliegen, um so den Newsfeed bei Facebook zu ordnen und nicht unter dem privaten Hochzeitsfotos eines Freundes den Fachartikel eines Experten zu sehen. Doch im Dezember 2016 hat Facebook dieses Feature deaktiviert. Nun gibt es eigentlich nur noch die Möglichkeit, sich für den beruflichen Nachrichtenkonsum einen zusätzlichen Account anzulegen.

Vorteile: Facebook erlaubt es einem, unglaublich nah bei den direkten Akteuren einer Branche dran zu sein. Nicht nur Experten veröffentlichen hier regelmäßig, auch die meisten Unternehmen sind bei Facebook präsent. So können Sie über Facebook einen sehr umfassenden Nachrichtenüberblick bekommen.

Nachteile: Gleichzeitig ist die riesige Menge an veröffentlichtem Content auch eine Belastung. Auf Facebook bekommt nun einmal das Katzenvideo oft mehr Aufmerksamkeit als die aufwändig recherchierte Reportage. Deswegen posten auch viele Unternehmen eher leicht verdauliche Kost. Dementsprechend ist es auf Facebook die größte Herausforderung, den relevanten Content neben der Flut an irrelevantem zu entdecken.

3. RSS-Reader

RSS steht für really simple syndication und ist ein Dateiformat für Web-Feeds, das Änderungen auf Websites anzeigt. Die meisten Nachrichtenseiten und Blogs bieten RSS-Feeds an. Größere Websites stellen oft mehrere RSS-Feeds bereit, zum Beispiel für jede Rubrik einen. Über einen RSS-Reader lassen sich die verschiedenen Feeds an einem Ort sammeln und nach Themen sortieren. Der am meisten genutzte Reader ist feedly.

Vorteile: Facebook und Twitter nutzt jeder anders. Bei den Beiträgen ist dann auch viel Irrelevantes dabei. Alles was auf einer Website veröffentlicht wird, übersteht meistens eine genauere Prüfung auf Relevanz als einer schneller Social Media Post. Darum sammeln sich in einem RSS-Reader leichter Beiträge, die einen echten Mehrwert bringen.

Nachteile: Leider bietet nicht jede Website einen RSS-Feed an. Die Verbreitung dieses Formats stagniert.

4. Newsletter

Newsletter sind deutlich älter als RSS-Feeds, Facebook und Twitter. Trotzdem erleben sie gerade den nächsten Frühling: 45% der Amerikanerinnen zwischen 13 und 33 Jahren erhalten eine tägliche oder wöchentliche Info-Mail. In Deutschland hat Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart schon 2015 mehr als 450.000 Abonnenten für sein Morning Briefing gewonnen. Gerade Newsletter, in denen zu einem Thema die besten Artikel der Woche oder des Monats kuratiert werden, erfreuen sich großer Beliebtheit. Über verschiedene Ordner lassen sich Newsletter von anderen Emails leicht trennen.

Vorteile: Autoren destillieren aus der Info-Flut das Wichtigste heraus. Facebook, Twitter und RSS-Feeds tickern immer weiter. Die Email wartet im Postfach, bis Sie Zeit für sie haben.

Nachteile: Nicht alle für ein Thema relevante Akteure bieten einen Newsletter an. Deswegen bieten sich Newsletter vor allem in Kombination mit den anderen Werkzeugen an.

Das ultimative Tool, um in einem Thema Bescheid zu wissen, bleibt aber auch im digitalen Zeitalter das persönliche Gespräch. Um Sie mit dem dafür passenden Experten zu verbinden haben wir Recherchescout gebaut.

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