Frank Behrendt

Frank Behrendt: „Ich halte flammende Plädoyers für echte Freundschaften“

Unsere Experten-Reihe zur aktuellen Medienlandschaft geht nach dem Auftakt mit Peter Turi in die zweite Runde. Zu Wort kommt Frank Behrendt, einer der bekanntesten Kommunikationsberater Deutschlands und Autor des Bestsellers „Liebe dein Leben und nicht deinen Job“.

Herr Behrendt: FAZ oder SZ? Warum?

Die Süddeutsche. Die hat schon mein Vater immer gerne gelesen und mir früher stets großzügig den Sportteil überlassen. Außerdem war ich auf der Deutschen Journalistenschule in München und habe im Rahmen unserer Abschlußarbeit eine Kulturbeilage für die SZ gestaltet. Das verbindet.

Der Durchschnittsdeutsche glotzt jeden Tag 3,5 Stunden fern, hört 2 Stunden Radio, liest 40 Minuten Zeitung, surft 2 Stunden im Netz: Wie sehr sind Sie Durchschnitt?

Ein Durchschnittstyp bin ich definitiv nicht, das wäre ja schrecklich (lacht). Beim TV bin ich deutlich drunter: 1,5 Stunden. Radio auch: 30 Minuten. Zeitung ebenfalls, 20 Minuten – nur wenn der Kicker kommt, sind es mehr… Da ich das Netz – vor allem die sozialen Netzwerke – eher „on the go“ nutze, komme ich in Summe auf gut 1 Stunde. Bei mir gibt`s dafür Dinge on top, die ihr gar nicht abfragt: Spielen mit den Kids: 1,5 Stunden. Bücher lesen: 1 Stunde. Gemeinsames Frühstück & Abendessen mit der Familie: 1 Stunde. Reden mit meiner Frau: Ständig.

Wenn Sie vor einer Schulklasse zum Thema Medienkompetenz sprechen müssten – was geben Sie der Generation Facebook mit auf den Weg?

Ich spreche sogar öfter wirklich vor Schulklassen. Denen gebe ich mit auf den Weg, dass sie nicht vergessen sollten zu leben. Ich halte flammende Plädoyers für echte Freundschaften und nicht irgendwelche aus den Sozialen Netzwerken. Und ich nehme ihnen die Angst, das Smartphone auch mal auszuschalten. Wenn ich zu ihnen spreche, müssen die Dinger übrigens ausbleiben. Sie lernen dann, dass ihre digitale Welt nicht untergegangen ist, weil sie 1 Stunde off waren.

Wenn Sie vor einer Abschlussklasse einer Journalistenschule stehen – von welcher wichtigen Erfahrung aus Ihrem Berufsleben erzählen Sie?

Da gibt es viele Geschichten. Ich erzähle gerne von den Granden der Zunft, von denen ich seinerzeit lernen durfte. Ein guter Journalist braucht aus meiner Sicht Mut, um Dingen auf den Grund zu gehen und diese dann den Menschen zu vermitteln. Klar und deutlich. Dagobert Lindlau, einer der ganz Großen, hat in Bezug auf Political Correctness in den Medien treffend gesagt: „Wenn wir unsere Sprache von allem säubern, dann haben wir bald keine mehr.“

Welche jüngsten Beispiele aus der Medienbranche machen Ihnen Mut?

Ich finde es immer klasse, wenn Leute etwas machen, das nicht alle machen. Die turi2 Edition von Peter Turi finde ich zum Beispiel smart. Alle reden rund um die Uhr von der Digitalisierung und der Typ bringt in diesen Zeiten ein dickes Print-Magazin auf den Markt. Irre. Vor allem irre gut das Ding. Papier fühlt sich wieder wie Papier an, der Inhalt ist top und die Fotos sind es auch. Dieses feine Print-Produkt an einem Sommerabend bei einem schönen Wein auf der Terrasse zu lesen ist für mich Glückstiftender, als auf einem iPad rumzuwischen.

Welche jüngsten Beispiele aus der Medienbranche machen Ihnen Angst?

Angst macht mir grundsätzlich gar nichts. So bin ich nicht gestrickt. Ich ticke da eher wie die Indianer, bin ein furchtloser und unerschrockener Häuptling. Mir geht oft die Aufgeregtheit auf den Keks, mit der aus meiner Sicht viel zu viel Wind um alle möglichen Medienthemen gemacht wird. Da sollten viele öfter entspannter bleiben und nicht so tun, als ob mit jeder Veränderung direkt immer gleich der Untergang des medialen Abendlandes unmittelbar bevorsteht.

Vielen Dank für das Gespräch, Frank Behrendt!


Kurzvita

Frank Behrendt (53) gehört zu den bekannten Kommunikationsberatern in Deutschland. Der Absolvent der Deutschen Journalistenschule in München war im Laufe seiner Karriere Top-Manager bei RTL Television, Universal Music sowie den Agenturen KetchumPleon und fischerAppelt. Seit Mai 2017 ist er als Geschäftsführer bei Serviceplan, Deutschlands größter Inhabergeführter Agenturgruppe, tätig. Sein erstes Buch „Liebe dein Leben und NICHT deinen Job“ eroberte direkt nach Erscheinen im Herbst 2016 die Bestsellerlisten. Sein neues Buch „Die Winnetou Strategie. Werde zum Häuptling deine Lebens“ erscheint im Herbst 2017 zur Frankfurter Buchmesse. Frank Behrendt ist verheiratet und lebt mit seiner Frau und drei Kindern in Köln.

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