Das Büro der Zukunft: Ein Expertengespräch mit den Geschäftsführern von Modal M

80.000 Stunden arbeiten wir durchschnittlich in unserem Leben. Viele davon verbringen wir im Büro. Schon allein wegen dieser enormen Menge an Lebenszeit sollten wir uns mit unserem Arbeitsraum beschäftigen. Bei Recherchescout sind die passenden Experten für ein Interview gelistet. Wir haben uns mit Timo Brehme, Malte Tschörtner und Reiner Nowak, den drei Geschäftsführern von Modal M, unterhalten.

Stellen Sie bitte kurz Ihre Firma und sich selbst vor.

Timo Brehme, Firmengründer:
Über 17 Millionen Menschen arbeiten allein in Deutschland in Büros. Dabei ist die Qualität des Arbeitsumfelds wichtige Voraussetzung für Motivation und Leistung. Gleichzeitig steigen die Anforderungen der Berufstätigen an ihre Arbeitsumgebung. Aktuelle Studien des Fraunhofer Instituts belegen sogar, der Ort sei heute wichtiger als finanzielle Anreize und Boni.

Dabei ist der einzelne Mitarbeiter die zentrale Stelle in der Wertschöpfung eines jeden Unternehmens. Deshalb beraten wir seit 2003 Immobiliennutzer – meist die Mieter – und entwickeln mit und für Unternehmen maßgeschneiderte Bürokonzepte. Aus diesem Wissens- und Erfahrungsschatz schöpft die 2008 gegründete Modal M: Sie schafft die architektonischen und planerischen Rahmenbedingungen für die Gebäude – größtenteils im Auftrag der Eigentümer.

Im originären Sinne einer umfassenden Architekturleistung steuern wir mit unserem 50-köpfigen Team als Berater und Generalplaner sämtliche Prozesse für den erfolgreichen Um-, Aus- oder Neubau von Immobilien im Gewerbebereich. Wir sind in der DGNB – Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen ebenso aktiv wie in der Forschung; denn unser Ziel ist es, die Arbeitswelten der Zukunft zu gestalten.

Welche Chancen ergeben sich durch neue Technologien?

Malte Tschörtner:
Das erfolgreiche Gebäude entsteht durch intensive planerische Auseinandersetzung mit den Anforderungen und Bedürfnissen seiner künftigen Nutzer. Eine nutzerzentrierte Immobilienentwicklung setzt daher ein tiefgreifendes Verständnis für aktuelle und künftige Arbeitswelten voraus – insbesondere für deren räumliche und technische Implikationen auf die Immobilie, die die Digitalisierung mit sich bringt.

Die zukünftige Bürofläche dient als Plattform, auf der sich der Nutzer verwirklichen kann. Er kann Ideen entwickeln, die sein Kerngeschäft fördern, und sie frühzeitig in die Gebäudeplanung einbringen. Da die Räume jedoch oft noch nicht in Realis zur Verfügung stehen, dienen vielfältige Darstellungsmittel – sowohl analoge als auch digitale – dazu, sich die räumlichen Gegebenheiten und Funktionalitäten vorzustellen.

Den Raum in eigener Regie zu erleben, ermöglicht jetzt die virtuelle Realität. Datenbrillen erlauben das Live-Erlebnis der Immobilie: Hochauflösende Brillen und Bildschirme ermöglichen Interessenten, durch ein neues Bürogebäude zu laufen, ohne dass dieses existiert. Sie können räumliche Dimensionen einschätzen, Perspektiven wechseln, Ausstattungselemente wie Trennwände und Oberflächen anpassen und in Echtzeit die Wirkung auf den Raum sehen.

Die neue Technologie ist daher ein nützlicher Baustein, mithilfe dessen der Kunde ein räumliches Verständnis entwickelt und damit eine zusätzliche rationale Entscheidungsgrundlage erhält.

40% des globalen Energiebedarfs sind auf die Bauwirtschaft zurückzuführen. Wenn wir die Klimawende schaffen wollen, müssen wir hier einiges einsparen. Wo liegen hier Potenziale?

Reiner Nowak:
Zum Energiebedarf kommen weltweit noch 30 % des Treibhausgasausstoßes und 30 % des Ressourcenverbrauchs hinzu. Entsprechend groß ist in der Baubranche das Potenzial zum Klimaschutz. Bei der Konzeption müssen Planer auf mehr als den Materialeinsatz achten; denn die Herausforderung liegt darin, Nachhaltigkeit über den gesamten Gebäudezyklus hinweg zu definieren. Hier stehen Planer gegenüber Vermietern und Nutzern in einer großen Verantwortung.

Wissend um die Umweltauswirkungen des Bauens setzen wir uns für eine Architektur- und Bürokultur ein, die neben den finanziellen und kreativen Gesichtspunkten auch die sozialen und Umweltschutzaspekte gleichwertig berücksichtigt. Unseren Kunden bieten wir einen klimaneutralen, zertifizierten Aus- oder Umbau ihrer Gewerbeimmobilien an.

Um die vielfältigen Möglichkeiten, Klima wie Umwelt zu schützen, zu erforschen und anwendbar zu machen, arbeiten wir in der DGNB – Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen an den Kriterienkatalogen für Büro und Verwaltungsbau mit.  Da die DGNB Umweltschutzaspekte mit soziokulturellen Faktoren verbindet, werden auch Kriterien zum Wohlbefinden der Mitarbeiter wie Raumluft, Belichtung, Akustik oder Kommunikationsmöglichkeiten einbezogen. Gerade beim Innenausbau und Einrichtung setzen viele Mieter auf ökologische Aspekte. Der Einsatz natürlicher Rohstoffe, lokaler Materialien und Hersteller ist dabei oberstes Gebot. Im Ringen um qualifizierte Mitarbeiter sind Unternehmen zunehmend dazu bereit, mehr für den nachhaltigen Bau und die Einrichtung ihrer Immobilie zu investieren. Zumal sich diese über die Einsparung von Energie sowie den Wohlfühlfaktor und die Gesundheit der Angestellten mittelfristig amortisieren.
Aktuell entwickelt die „Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen“ das neue Nutzungsprofil „Innenraum“ für Mieter-Aus- und Umbauten. Dabei stützt sie sich auf die Marktkenntnis und praktische Erfahrung von Modal M. Wir freuen uns, bei diesem Pionierprojekt mitzuwirken.

Zum Abschluss: Welche Fragen finden Sie besonders interessant? Bei welchen Recherchen können Sie Journalisten unterstützen?

Timo Brehme:
Wir sehen unsere Verantwortung darin, motivierende Arbeitswelten zu gestalten und nachhaltige Gewerbeimmobilien zu entwickeln. Entsprechend interessieren uns alle Fragen rund um nachhaltige Revitalisierung, Umnutzung oder Komplettsanierung von Bestandsgebäuden gleichermaßen wie technische Neuerungen, Ästhetik und vor allem die Menschen, die die Flächen nutzen werden.

Vielen Dank für das Gespräch!

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