Gebrauchsanweisung für Journalisten

26 etwas ältere, aber noch immer interessante Regeln für den Umgang mit der Presse.

Twitter, Facebook, Xing: Da heute Dank sozialer Medien jeder Mitarbeiter zum Pressesprecher mutiert, haben PR-Abteilungen ordentlich zu tun, dass die Mitarbeiterschar bestmöglich und im Unternehmenssinne postet, twittert und interagiert. Da sich der Kommunikationsfluss weder komplett steuern noch verhindern lässt, versuchen viele Unternehmen, mit Richtlinien das Risiko zu minimieren und positive Aspekte zu verstärken.

Kai Oppel

Recherchescout-Mitgründer Kai Oppel entdeckte bei der Entrümplung seines Schreibtisch einen kleinen Schatz, der interessante Einblicke gewährt: die Richtlinien zum Umgang mit Medien von IBM

Recherchescout-Mitgründer Kai Oppel fand bei der Entrümplung seiner Schreibtischschublade die Richtlinien zum Umgang mit Medien von IBM.

Oppel: „Sie stammen aus Zeiten, als es die Financial Times Deutschland noch gab, für deren Beilagenredaktion ich damals geschrieben hatte. Sie lassen den Schluss zu, dass ich diese Schublade schon länger nicht entrümpelt hatte. Jedenfalls hatte damals ein Kollege einen IBM-Mitarbeiter interviewt, der eben diesen Zettel hat liegen lassen, was naturgemäß ziemlich schnell die Runde machte.“

Das Papier ist zehn Jahre später mindestens genauso spannend wie damals. Wir zeigen nachfolgend 26 übergreifende und ausgewählte Ratschläge. Zudem freuen wir uns auf eine rege Diskussion via Twitter #PR-Guidelines und hier im Blog: Welche Regeln fehlen in Zeiten der sozialen Medien? Was raten Sie Mitarbeitern im Umgang mit der Presse?

Gebote

  1. Allgemeine Regel: Sprich niemals mit Journalisten, ohne die Unternehmenskommunikation im Voraus einzubinden.
  2. Vermeide Überraschungen – Schaffe keine ungeplanten Neuigkeiten.
  3. Sprich nicht über zukünftige Geschäfte (weder Einnahmen Profit noch Einheiten…).
  4. Mache keine Aussagen zur Profitabilität.
  5. Brich keine Einnahmesituationen auf einzelne Geschäftsbereiche herunter.
  6. Attackiere nicht den Wettbewerb.
  7. Kritisiere niemals eine andere Abteilung.
  8. Führe niemals Interviews mit Leitmedien (wie WSJ, FT, Business Week, Tims, IHT) ohne im Voraus die PR-Abteilung eingebunden zu haben.
  9. Wir beteiligen uns nicht an Gemunkel und Gerüchten und äußern uns niemals zu laufenden Verhandlungen.
  10. Führe keine Interviews ohne einen PR-Profi an deiner Seite.

IBM Guidelines

Vermeide unnötige Risiken

  1. Lasse lieber eine Interviewgelegenheit entgehen als unvorbereitet zu sprechen.
  2. Versprich nicht mehr als du halten kannst.
  3. Besetze keine neuen strategischen Themen ohne vorherige interne Abstimmung.
  4. Glaube nicht, wenn dir der Journalist Vertraulichkeit zusichert – ohne das er dies unterschreibt.
  5. Beantworte besser keine Fragen zu Themen und Abteilungen, die nicht dein Thema sind.
  6. Fühle dich nicht verpflichtet, Fragen zu beantworten, die du nicht beantworten kannst.
  7. Verweise den Journalisten im Zweifel besser an jemand anderen, der die Frage beantworten kann.
  8. Äußere keine Vermutungen oder Spekulationen: Der Journalist könnte dies für bare Münze nehmen.
  9. Wenn Du eine persönliche Meinung äußerst: Sage es ganz klar und gehe sicher, dass es der Reporter nicht für die Meinung der Firma hält. Journalisten tendieren dazu, so etwas zu vermischen.
  10. Wenn der Reporter das Interviews beendet und das Aufnahmegerät ausschaltet und dann fragt, ob es noch etwas zu sagen gibt, dann ist das der Moment, an dem Du besonders vorsichtig sein musst. Was du jetzt sagst, wird im Nachhinein das Wichtigste sein, womit der Journalist aufmacht.

Mache das Beste draus

  1. Sei leidenschaftlich in dem was Du sagst.
  2. Sei ehrlich und nett, niemals arrogant oder launisch – selbst wenn der Journalist so drauf sein sollte. Es könnte eine Taktik sein.
  3. Zeige Persönlichkeit, indem du persönliche Erfahrungen teilst. Nichts ist glaubwürdiger und unanfechtbarer als persönliche Erfahrungen.
  4. Sei themenbezogen.
  5. Die meisten Leute bleiben Menschen, selbst wenn sie über Technik sprechen. Die Leute lieben praktische Erfahrungen, Geschichten, Vergleiche, Bilder, zu denen sie einen Bezug herstellen können. Schnödes Technikgequatsche macht keinen sonderlich an. Die menschliche Aufmerksamkeitsspanne ist kurz.
  6. Es ist wichtiger, die drei wichtigsten Punkte verständlich rüberzubringen als nur annähernd zu versuchen, alles allumfänglich darzustellen.

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