Media Delphi

Zwischenbilanz: Journalisten behalten mit Prognosen vom Jahresanfang oftmals Recht

Das Jahr ist zwar noch lange nicht vorbei – in einigen Punkten behalten die Jahresanfang im Zuge des MEDIA DELPHI 2017 befragten Journalisten jedoch jetzt schon Recht. So hatten Medienmacher im Bereich Wirtschaft dem Volkswagen-Konzern die meiste Berichterstattung vorausgesagt. Auch US-Präsident Donald Trump liegt ein halbes Jahr nach der Erhebung wie erwartet klar in Führung. Etwas unterschätzt haben die Journalisten allerdings, wie sehr der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un, die Fluggesellschaft Air Berlin sowie der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan Nachrichten schreiben werden.

Thematisch haben Journalisten zur Jahresbeginn bei der von der Medienkontaktplattform Recherchescout durchgeführten Befragung die Bundestagswahl mit 75,5 Prozent als dominierenden Gegenstand der Berichterstattung eingestuft. Auf Platz 2 mit 74,8 Prozent und nur knappem Abstand haben sie die Berichterstattung zu den Entwicklungen in den USA vorhergesagt – was sich bisher mit Blick auf die die Innen- und Außenpolitik als nicht falsch erwiesen hat. Auf Platz 3 der Agenda wählten sie den Themenbereich „Kampf gegen Terror/Innere Sicherheit“, womit sie vor dem Hintergrund der Anschläge in St. Petersburg, Barcelona und Brüssel ebenfalls Recht behalten sollten. Ob die Ausschreitungen im amerikanischen Charlottesville, der Brexit oder die Entwicklungen in der Türkei: Einen richtigen Riecher bewiesen haben Journalisten gleichfalls beim Thema „Nationalismus/Rechtspopulismus“, das sie mit 58,3 Prozent auf den vierten Rang der erwarteten Medienagenda prognostizierten.

In der Wirtschaftsberichterstattung erwarteten Journalisten den Volkswagen-Konzern mit 72 Prozent an der Spitze. Bereits 2016 hatte sich VW mit dem Abgasskandal im Media-Delphi in Führung gefahren (knapp 70 Prozent). Auf Platz 2 der medialen Dominanz sahen mit 62,1 Prozent in 2017 viele Journalisten Facebook. Die zentrale Rolle des sozialen Netzwerkes bei Themen wie Wahlen und Rechtsruck würde nach Meinung der Medienmacher auch das Unternehmen selbst zum Gegenstadt von Artikeln und Beiträgen machen. Die Deutsche Bank, die Journalisten ebenfalls unter den Top 3 gesehen haben, hat es bisher geschafft, weniger oft in Erscheinung zu treten – allerdings ist das Jahr noch nicht vorbei. Interessanterweise hatten bereits zu Jahresbeginn immerhin auch 5,9 Prozent der Medienmacher den AWD-Gründer Carsten Maschmeyer im medialen Visier, der mit der Erscheinung des Buches „Mein Auftrag: Rufmord“ des EX-Mitarbeiters Stefan Schabirosky tatsächlich Protagonist eines realen Wirtschaftskrimis per excellence geworden ist; genussvoll aufgegriffen von den Medien im Sommerloch.

In Sachen Politik erwiesen die Journalisten ebenso Treffsicherheit: 95,7 Prozent waren sich bereits Jahresbeginn sicher, dass Trump in Radio, Internet, Print und TV klar vor Merkel (77,8 Prozent) das mediale Rennen für sich entscheidet – dem Bundestagswahlkampf zum Trotz. Herausgehobene Rollen sollten den Erwartungen der Journalisten zufolge ebenso der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (50,6 Prozent) und der sozialdemokratische Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, Martin Schulz (45,7 Prozent) spielen. Dass Redaktionen den nordkoreanischen Diktator Kim jong-un so oft ins Bild und in den Text hieven müssen, war für viele Medienmenschen im Januar noch nicht absehbar.

Im Bereich Kultur haben Journalisten Brad Pitt auf Platz 1 gesehen, im Sport Jogi Löw, in den Medien Jan Böhmermann. Alle Personen haben zwar bisher ordentlich Nachrichten produziert, allerdings scheinen sie das mediale Ranking bisher nicht mit offensichtlichem Vorsprung anzuführen. Nicht auf der Agenda hatten sie indes Ex-Tennis-Profi Boris Becker, der jedoch auch weniger mit seinen sportlichen Leistungen auf sich aufmerksam machte im aktuellen Medienjahr.

Kommentieren Sie den Artikel

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.