Anja Karrasch

Mauergeschichten, Medienwandel und muxmäuschenwild: Interview mit Anja Karrasch

Nach Senta Krasser vor zwei Wochen hat dieses Mal Anja Karrasch auf unsere Fragen geantwortet. Sie ist seit 20 Jahren Journalistin und hat von vielen spannenden Erfahrungen und Beobachtungen erzählt.

3 x Anja Karrasch

Wer ist Anja Karrasch? Bitte stellen Sie sich kurz vor.
Als gelernte Journalistin habe ich ab 1997 zunächst als freie Autorin mit dem Themenschwerpunkt Kultur und Gesellschaft für Spiegel Online, Berliner Zeitung, Die Zeit geschrieben. Parallel dazu erweiterte ich meinen beruflichen Horizont um den Bereich der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Als freie Autorin bin ich spezialisiert auf Porträts und Interviews, als PR-Expertin bin ich vor allem für Auftraggeber tätig, die werteorientierte Produkte und Dienstleistungen anbieten.

Was können Sie gut?
Ich bin eine gute Zuhörerin und es macht mir Spaß, den unverwechselbaren Charakter einer Persönlichkeit, eines Unternehmens oder einer Organisation aufzuspüren.

Auf welche Geschichten sind Sie stolz? Welche Beiträge zeigen Sie besonders gerne?
25 Jahre Mauerfall wurde 2014 mit einer dreitägigen Lichtgrenze durch Berlin gefeiert, am Abend des 9. Novembers stiegen tausende von Luftballons in den Nachthimmel. Dazu entstand das Buch „Mauergeschichten“, zu dem ich acht Interviews von Zeitzeugen beigesteuert habe. Aktuell zeige ich gern eine Reportage über Streetart in Berlin auf berliner-akzente.de.

3 x Journalismus

Das Ansehen des Berufstands ist seit Jahren schlecht. Die Arbeitsbedingungen sind es oft auch. Warum sind Sie eigentlich Journalist geworden?
Ich wollte kritisch hinter die Kulissen schauen und einen abwechslungsreichen, kreativen Beruf. Mit 18 bewarb ich mich bei der Münchner Journalistenschule und schaffte es immerhin in die zweite Runde. Ich habe dann erstmal studiert und danach die Ausbildung an der Berliner Journalistenschule absolviert – und es nicht bereut.

In den letzten Jahren hat sich die Medienlandschaft stark gewandelt. Was hat sich für Sie persönlich verändert?
Früher habe ich für Printmedien geschrieben, heute überwiegend für Online-Magazine. Im PR-Bereich ist es ähnlich. Mit der digitalen Transformation hat sich die Art und Weise Wer, Wie, Wo kommuniziert oder sich informiert komplett verändert. Ich finde diesen Prozess sehr spannend, nur leider sehen das viele Verlage nicht so und haben lange so getan, als wäre das nur ein temporärer Zustand.

#FakeNews, Verlust des Geschäftsmodells von Verlagen. Krisenmeldungen zum Journalismus gibt es genug. Was wird in Zukunft besser? Wo sehen Sie spannende Entwicklungen?

Die kritische (Selbst)Reflexion von Medien und Journalisten schärft auch das Bewusstsein dafür, was guten Journalismus ausmacht. In seinem Essay „Was zählt 2017?“ hat Stefan Ploechinger (SZ) analysiert und beschrieben, warum Journalismus Mut, Haltung, Transparenz, digitales Know-how Faktencheck, Vertrauen, und Zuversicht braucht. In den USA hat die Wahl Trumps zu einer Stärkung der Qualitätsmedien geführt. Spannend finde ich die Möglichkeiten, die das digital Storytelling bietet.

3 x Praktisch

Was ist Ihr wichtigstes Arbeitsutensil (außer Laptop und Smartphone)?
Meine lederne Schreibmappe für handschriftliche Notizen.

Welche Tools (außer Recherchescout) nutzen Sie für die Recherche?
Wikipedia, Twitter, das Portal der Bertelsmannstiftung mit Studien zu unterschiedlichen Themen, für Berlin-Themen finde ich muxmäuschenwild interessant.

Medientipps: Welche Zeitungen und Zeitschriften lesen Sie? Welche Blogs halten Sie für besonders interessant? Welchen Personen folgen Sie auf Twitter?

Als klassische Printprodukte lese ich am Wochenende den Tagesspiegel und monatlich den Journalist. Auf berlinfolgen erzählen Berliner ihre Geschichte in knapp dreiminütigen Fotofilmen: mittels starker Fotografie, Videoelementen, Interviews und O-Tönen. Jede Woche kommt eine neue Folge hinzu. Ein tolles Beispiel für digital Storytelling. Auf Twitter folge ich Journalisten wie Holger Stark (ZEIT) und PR-Kolleginnen wie Ilona Schäkel.‏

Vielen Dank für Ihre Antworten, Anja Karrasch!

Ein Gedanke zu „Mauergeschichten, Medienwandel und muxmäuschenwild: Interview mit Anja Karrasch

  1. Stefan

    Beruhigend zu wissen, dass es JournalistInnen gibt, die nicht nur den Wandel von Print in die digitale Welt erkannt haben, sondern ihm offen aber auch mit der notwendigen Portion Skepsis begegnen. Und hierüber mit lesenswerten Texten berichten. Bleibt nur zu wünschen, dass die Kunden bereit sind auch für digitale Publikationen zu zahlen – in den USA funktioniert es (Das Ende – Trump – kann auch mal der Anfang von etwas sein).

    Antworten

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