Patrick Große

Journalismus, Medienwandel, Recherchetipps: Ein Interview mit Patrick Grosse

Als Werkzeuganbieter für Journalisten interessiert uns sehr, wer die Journalisten auf unserer Plattform eigentlich sind, was sie bewegt, wie sie den Medienwandel wahrnehmen und wie recherchiert wird. Deswegen lassen wir hier in unregelmäßigem Abstand Journalisten zu Wort kommen, auch weil die Einblicke und Tooltipps für andere Journalisten spannend sein können. Patrick Grosse fängt an.

3 x Patrick Grosse

Wer ist Patrick Grosse? Bitte stellen Sie sich kurz vor.
Gebürtig komme ich aus der Eifel, in der Nähe von Koblenz. Ich wohne allerdings jetzt in Dortmund, wo ich auch Journalistik studiere. Ich bin 22 Jahre alt und habe meine ersten Erfahrungen bei der Rhein-Zeitung gesammelt, da war ich 17 Jahre alt.

Was können Sie gut?
Ich habe ein gutes Händchen für crossmediale Umsetzungen. Nicht nur reine Multimediastories machen mir Spaß. Ich denke auch bei einfachen Artikeln daran, wie sich das Ganze mit Videos, Bildern oder Ton unterstützen lässt. Das habe ich in der letzten Zeit ganz gut hinbekommen. Ein Beitrag kann noch so gut sein, wenn er keine auflockernden Elemente hat. Dann steigt der Leser sofort aus.

Auf welche Geschichten sind Sie stolz? Welche Beiträge zeigen Sie besonders gerne?
Ich konnte bisher zwei reine Multimediaformate umsetzen. Stolz bin ich zum Beispiel über die Story zur Landtagswahl in NRW. Zusammen mit meiner Kommilitonin Lilian Fiala habe ich die Forderungen der Parteien für junge Menschen erklärt. Dazu haben wir auch Kurzinterviews mit den Sprechern der Jugendorganisationen geführt. Zum Schluss haben wir noch eine Tabelle konzipiert, in der jeder seine Wahlkreiskandidaten suchen kann. Nicht „Data journalism at its best“, aber ein erster Gehversuch in dem Bereich. Das Projekt ist bei landtagswahlnrw.de zu finden.

3 x Journalismus

Das Ansehen des Berufstands ist seit Jahren schlecht. Die Arbeitsbedingungen sind es oft auch. Warum sind Sie eigentlich Journalist geworden?
Medien sind Vermittler zum Beispiel zwischen Politik und Bürgern. Ich wollte näher dran sein. Ich wollte selbst der Vermittler werden. Als ich 17 Jahre alt war, habe ich mich sehr für die Strukturen in den Medien interessiert. Gleichzeitig wurden als Erstwähler auch politische Vorgänge interessant. Ich wollte nicht nur aus der Zeitung davon lesen, sondern auch selbst dabei sein. Als Journalist wollte ich meine Erkenntnisse dann aber auch weitergeben. Es ist eine große Verantwortung, Teil der Meinungsbildung zu sein, aber gerade das scheint für mich den Reiz auszumachen.

In den letzten Jahren hat sich die Medienlandschaft stark gewandelt. Was hat sich für Sie persönlich verändert?

Da ich selbst erst seit ein paar Jahren in dieser Branche bin, sind die Neuheiten dieser Zeit für mich schon normal. Ich kenne es nicht anders, dass Onlinemedien zum Leitmedium werden. Zeitungen haben für mich schon immer nur einen kleinen Anteil eingenommen. Ich lerne die Medienlandschaft gerade erst kennen.

#FakeNews, Verlust des Geschäftsmodells von Verlagen. Krisenmeldungen zum Journalismus gibt es genug. Was wird in Zukunft besser? Wo sehen Sie spannende Entwicklungen?
Printjournalismus wird eine immer geringere Bedeutung einnehmen, obwohl ich mir sicher bin, dass er sich nie ganz verdrängen lässt. Mehr wird sich Online abspielen, wobei die reine Berichterstattung irgendwann auch nicht mehr reichen wird. In Zukunft wird es auch immer stärker um Gamification und Erlebnis-Elemente gehen. Virtual Reality oder 360-Grad-Videos geben Geschichten einen völlig neuen Blickwinkel. Diese Elemente können allerdings nicht für sich allein stehen, sondern sind zum Beispiel Teil einer Reportage.

3 x Praktisch

Was ist Ihr wichtigstes Arbeitsutensil (außer Laptop und Smartphone)?
Auch in digitalen Zeiten darf neben Laptop und Smartphone natürlich der Notizblock nicht fehlen. Ich habe ihn immer in meinem Rucksack dabei und notiere mir sofort Themenideen oder Einfälle. In Gesprächen schreibe ich immer noch lieber selbst mit, anstatt die Konversation nur aufzuzeichnen.

Welche Tools (außer Recherchescout) nutzen Sie für die Recherche?

Tatsächlich ist meine Recherche recht konventionell. Neben Recherchescout nutze ich vor allem aber die sozialen Netzwerke. Twitter eignet sich sehr gut, um allgemeine Themen zu finden. Es ist allerdings schwer, dort an Protagonisten zu kommen. Dafür muss dann Facebook hinhalten. Es gibt unzählige Gruppen zu jedem Thema. Da werde ich eigentlich immer fündig, wenn ich einen Protagonisten brauche.

Medientipps: Welche Zeitungen und Zeitschriften lesen Sie? Welche Blogs halten Sie für besonders interessant? Welchen Personen folgen Sie auf Twitter?
Ich lese den Spiegel, als eines der wichtigsten Leitmedien auch für Journalisten. Ansonsten habe ich aber keine festen Rituale im Medienkonsum. Ich lasse mich morgens eher von der Aktualität leiten und checke die Links in meiner Twittertimeline oder die Empfehlungen auf Blendle. Für Menschen in einer Journalistenausbildung wie mich, kann es besonders interessant sein, anderen Journalisten und Korrespondenten bei der Arbeit zuzugucken. Interessant für die politische Berichterstattung sind daher für mich zum Beispiel @StefanLeifert in Brüssel, @vmedick in Washington oder @ThomasWalde in Berlin. Da bekommt man gute Insights in politische Abläufe und journalistische Arbeit.

Vielen Dank für Ihre Antworten, Patrick Grosse!

Fotocredit: Nikolas Golsch

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