Tobias Göpel

Ein Blick in unsere Expertenliste: Tobias Göpel von den Chemieverbänden Rheinland-Pfalz

Nach unserem Interview mit dem E-Commerce-Experten Patrick Piech vor einem Monat sprechen wir heute mit Tobias Göpel. Er ist ein spannender Gesprächspartner zu Themen rund um Chemie, deutsche Industrie, Globalisierung und Verbände.

Stellen Sie bitte kurz Ihren Arbeitgeber und sich selbst vor.

Ich bin Pressesprecher der Chemieverbände Rheinland-Pfalz. Hinter dieser Dachmarke verbergen sich zwei Verbände, welche die tarif- und sozialpolitischen sowie wirtschaftspolitischen Interessen der Mitgliedsunternehmen vertreten. Dazu gehören chemisch-pharmazeutische Betriebe ebenso wie Kunststoffspezialisten, Gummiwarenhersteller und auch Hersteller von Reinigungsmitteln. Insgesamt vertreten wir rund 180 Unternehmen mit 69.000 Beschäftigten im Land Rheinland-Pfalz. Meine Aufgabe ist die kommunikative Begleitung unserer Tätigkeiten von Print über Online bis hin zu Events.

Als Verband bündeln Sie die Interessen Ihrer Mitglieder. Was sind denn momentan drei wichtige Anliegen, die Sie als Verband vertreten?

Aufgrund der Dynamik des sich verändernden wirtschaftlichen Umfeldes steht die Industrie vor Herausforderungen, die mit Schlagworten wie Globalisierung, Digitalisierung und Energiepolitik umrissen werden können. Das sind derzeit auch unsere drei wichtigsten Anliegen mit den besonderen Ausprägungen der Sozialpolitik und der Wirtschaftspolitik.

Die Wirtschaftskrise 2009 hat sich besonders stark auf die Chemie-Industrie ausgewirkt. Warum hat sich die Branche davon wieder so schnell erholen können?

Die Unternehmen der chemischen Industrie haben in einem langen und stetigen Prozess sehr viel getan, um flexibler und wettbewerbsfähiger zu werden. Das hat sich auch und gerade in Zeiten der Krise ausgezahlt. Erholt haben wir uns aber von der Krise noch nicht in allen Bereichen. Wir kämpfen in Rheinland-Pfalz mit einer Stagnation bei Produktion und Umsätzen. Das passiert zwar auf einem hohen Niveau, dennoch brauchen wir mehr Wachstum, um den Herausforderungen im Rahmen der Globalisierung, Digitalisierung und Energiewende begegnen zu können.

Deutschland ist drittgrößter Importeur und größter Exporteur von chemisch-pharmazeutischen Produkten. Damit ist die Chemie ist eine der wichtigsten Industrien Deutschlands. Denken Sie, dass das auch in Zukunft so bleibt? Welchen Herausforderungen müssen sich Unternehmen in den nächsten Jahren stellen?

Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Rheinland-Pfalz exportiert rund 70 Prozent der Waren. Damit sind wir vom europäischen und globalen Geschehen auf den Märkten abhängig. Wer detailliert wissen will, wie die Zukunft der Chemie aussehen kann, dem empfehle ich die Studie „Chemie 2030“ des Verbandes der Chemischen Industrie, die hier nachzulesen ist.

Werden sich Verbände in den nächsten Jahren wandeln müssen? Wie wird ein Verband in 20 Jahren aussehen?

Ein starker Industriestandort braucht eine moderne Industriepolitik. Und die Verbände sind wichtige Interessenvertreter und Meinungsaggregatoren im Diskurs um die passenden politischen Rahmenbedingungen. Was heißt das genau? In der globalisierten Welt werden Investitionsentscheidungen zunehmend zwischen internationalen Standorten getroffen. Die Interessensvertretung durch Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände für die deutschen Standorte bleibt vor diesem Hintergrund eine wesentliche Kernaufgabe. Und so werden auch in 20 Jahren die Verbände fundierte Informationen und belastbare Sachargumente bieten. Denn was in Brüssel „impact assessment“ und in Berlin „Gesetzesfolgenabschätzung“ heißt, machen Verbände im Rahmen der Interessenvertretung fassbar und verständlich.

Zum Abschluss: Welche Fragen finden Sie besonders interessant? Bei welchen Recherchen können Sie Journalisten unterstützen?

Ich finde Fragen zur Bedeutung der Verbände interessant. Der Begriff Lobbyismus ist in unserer Gesellschaft leider sehr negativ belegt. Doch in einer pluralistischen Gesellschaft sind Verbände ein wichtiger Akteur für eine demokratische Entscheidungsfindung. In diesem Kontext würde ich auch gerne die Bedeutung des Unternehmertums und die Begrifflichkeit des „ehrbaren Kaufmanns“ mehr beleuchten. Unser Mehrwert für Journalisten ist, dass wir Geschichten aus den Unternehmen bieten und Zusammenhänge erläutern können. Ein Beispiel wäre unser Blog chemie-azubi. Er bietet Hintergrundwissen zu Unternehmen, die nicht nur für angehende Azubis geeignet sind.

Vielen Dank für das Gespräch, Tobias Göpel!

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