Ein Blick in unsere Expertenliste: Patrick Piecha von Onlineprinters

Nachdem wir vor zwei Wochen mit Johanna Mitscherlich von CARE den Anfang gemacht haben, stellen wir heute Patrick Piecha von Onlineprinters vor. Die Onlineprinters GmbH illustriert schön den Nutzen, den Recherchescout bieten kann: Mehr Sichtbarkeit für einen Hidden Champion, eine spannende Story und auskunftsfreudige Experten für Journalisten. Doch nun zu unserem spannenden Gespräch über Digitalisierung, E-Commerce und die Herausforderungen des deutschen Mittelstands:

Stellen Sie bitte Ihren Arbeitgeber und sich selbst vor.

Mein Name ist Patrick Piecha und ich bin Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Onlineprinters GmbH. In Deutschland sind wir besser bekannt als diedruckerei.de. Wir sind ein Hidden Champion, der Drucksachen über das Internet vertreibt. Letztes Jahr haben wir über 2,1 Milliarden Drucksachen produziert und in 30 Länder Europas geliefert. Dabei produzieren wir alles vom Flyer bis zum kompletten Messestand. Momentan beschäftigen wir in der Unternehmensgruppe etwa 900 Mitarbeiter und haben unseren Hauptsitz in Neustadt an der Aisch im schönen Frankenland. In unserer Lage sehen wir auch eine der größten Herausforderungen: In der „Provinz“ wird man nicht auf den ersten Blick gefunden.

Was ist denn die besondere Expertise von Onlineprinters?

Wir kommen aus dem ganz klassischen Druckgewerbe und sind als Druckerei gegründet worden. Nach 20 Jahren Unternehmensentwicklung hat sich Walter Meyer, Sohn des Unternehmensgründers, in einer besonderen Lage vorgefunden: „Entweder die Firma gibt es vielleicht bald nicht mehr, oder wir ändern etwas.“ Damals gab es eine starke Überkapazität an Druckbetrieben und große Kunden konnten die Preise diktieren. Er ist dann als einer der ersten im Bereich Druck in den E-Commerce eingestiegen – und hat damit den „Onlinedruck“ mit aufgebaut und geprägt.

Wir verbinden E-Commerce mit Industrieproduktion, das heißt, wir produzieren in industriellem Maßstab individuelle Produkte. Dementsprechend sind unsere Expertisen E-Commerce, Industrie 4.0 im Mittelstand, Digitalisierung, Internationalisierung und Marketing.

Ihre Ursprünge liegen im klassischen deutschen Mittelstand. Dieser gilt nicht unbedingt als Vorreiter der Digitalisierung. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Das würde ich so nicht sagen. Es gibt sicherlich viele Mittelständler, die sich mit aktuellen Veränderungen nicht auseinandersetzen, es gibt aber auch extrem viele, die mit digitalisierten Geschäftsmodellen extrem erfolgreich sind. Das kann Recherchescout zum Beispiel auch greifbar und den deutschen Mittelstand damit präsenter machen. Ich denke, dass ist auch für Journalisten spannend, denn wenn diese etwas über E-Commerce recherchieren bzw. schreiben wollen, denken sie oft als erstes an Zalando und Amazon. Von denen bekommt man aber oft keine Ansprechpartner. Es gibt abseits von den Giganten des Marktes extrem erfolgreiche Geschäftsmodelle im E-Commerce. Diese sind oft noch spannender, die Leute sind auskunftsfreudiger und man kann viel interessantere Geschichten erzählen.

Warum hat Onlineprinters die Chancen der Digitalisierung so konsequent ergreifen können?

Weil wir relativ mutig waren. Unser Unternehmensgründer Walter Meyer hat recht viel auf eine Karte gesetzt und viel Veränderungswillen gezeigt. Damals, 2004, war das Internet kein Neuland mehr, um mit der Kanzlerin zu sprechen. Es gab auch schon viele E-Commerce-Geschäftsmodelle, aber Gedrucktes online zu bestellen war quasi unmöglich. Die Banken haben damals gesagt: „Ihr bekommt dafür kein Geld, weil die Leute keine Druckprodukte online kaufen wollen.“

Welche Herausforderungen sehen Sie für Onlineprinters in den kommenden Jahren?

Erstens, dass Kunden anspruchsvoller werden. Wir sprechen da von einer „Amazonisierung“. Die Leute sind es gewohnt, dass man seine Bestellung wie bei Amazon Prime am nächsten Werktag bekommt. Gottseidank haben wir da sehr früh Weichen gestellt und solche Angebote wie „Blitzdruck“ eingeführt. Das bedeutet, dass ein Kunde, der 100.000 Flyer bis mittags um 12 Uhr bestellt, die am nächsten Tag in Rom geliefert bekommen kann. Wir merken, dass immer mehr Dinge kurzfristig geordert werden.

Die zweite Herausforderung sind kleinere Auflagen. Wir müssen individueller arbeiten. Bei uns werden Kataloge in einer Auflage von einer Million nicht bestellt. Das macht niemand mehr. Es wird eher für jede Messe ein Katalog mit einem individuell gebrandeten Cover erstellt. Die sind dann auch ein besseres Werbemittel und man kriegt mehr für sein Marketing-Budget.

Diese zwei Trends, Schnelligkeit und Individualisierung, betreffen sowohl unsere Branche als auch andere Branchen. Produkte werden individueller und schneller verfügbar – und haben dadurch mehr Nutzen.

Zum Abschluss: Welche Fragen finden Sie besonders interessant?

Subjektive Erfahrungen: Warum sind Sie erfolgreich?
Gute Interviewpartner werden da immer etwas Schönes erzählen können, weil es eine positiv gestellte Frage ist und dazu auffordert, ein bisschen aus dem Nähkästchen zu plaudern.

Einschätzungen: Wie sehen Sie Märkte?
Wenn ich mir die redaktionelle Brille aufsetze und an ein Tool wie Ihres denke: Ich stelle eine Frage zu einer Markteinschätzung und bekomme im besten Fall von fünf tollen Interviewpartnern fünf interessante Antworten. Der Artikel ist dann eigentlich schon geschrieben. Als Journalist habe ich einen extrem hochwertigen Beitrag. Man hat Interviewpartner, die glücklich sind, weil sie irgendwo untergekommen sind und man hat eine gute Brancheneinschätzung.

Alles, was in ein Spezialgebiet hineingeht: Bei mir Fragen zu Industrie 4.0 und Digitalisierung
Wenn eine Frage auf ein Spezialgebiet gemünzt ist, dann spricht das Experten viel mehr an als sehr allgemeine Fragen im Stil von „Ist das Internet eine Bedrohung?“ Wenn man merkt, dass eine Basisrecherche betrieben wird und gar kein Vorwissen da ist, hat man weniger Anreize zu antworten.

Vielen Dank für das Gespräch, Patrick Piecha!

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