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Bundesweite Preise und ein Nebenjob als Festeinlader: Interview mit Dieter Möller

Heute stellen wir einen Recherchescout-Nutzer und interessanten Journalisten vor: Dieter Möller. Er erzählt uns von einem bewegten Berufsleben. Als verhinderter Lehrer ist er in die Sportberichterstattung hineingeraten. Dort hat er für investigative Geschichten und seine Schreibe bundesweite Preise abgeräumt. Inzwischen ist er freiberuflicher Journalist mit interessanten Nebenjobs.

3 x Dieter Möller

Dieter MöllerWer ist Dieter Möller? Bitte stellen Sie sich kurz vor.
Nach gut 20-jähriger Tätigkeit als Lokalsportredakteur bei der Rhein-Zeitung seit 13 Jahren freiberuflicher Journalist mit Interesse an populärwissenschaftlichen Themen, auch Mathematik. Daher arbeite ich vorwiegend für das P.M.-Magazin mit seiner Schwesterausgabe „Fragen&Antworten“.
Außerdem biete ich noch an:
• die Dienstleistung eines Festeinladers. Für meine Kunden überbringe ich originell gefertigte Einladungen zu Hochzeit, Geburtstagen oder anderen Festen persönlich in besonderer Aufmachung und dokumentiere dies in einem Festbuch,
• das Schreiben von Biografien und Erstellen von umfangreicheren Grußheften zu Geburtstag und Hochzeit oder sonstigen Festen,
• individuelle Rechenrätsel mit Geburts-, Hochzeits- oder anderen wichtigen Daten als originelle Geschenke.

Was können Sie gut?
Recherchieren, analysieren, glossieren, mit Zahlen umgehen und früher als Redakteur Ideen entwickeln für Leser-Blatt-Bindung. Was Leser/innen, Kollegen, Kolleginnen und frühere Vorgesetzte bescheinigt haben: kreativ, gut und mit einem ausgeprägten Stil zu schreiben. Das Wichtigste aber für mich: ein begeisterter Opa für Mila (5) und Matti (1) zu sein.

Auf welche Geschichten sind Sie stolz? Welche Beiträge zeigen Sie besonders gerne?
Auf drei bundesweite Preise für meine Schreibe und eine investigative Geschichte mit meinem früheren Kollegen Ludwig Velten mit 25 Artikeln in gut zwei Monaten (Nachweis von Scheingeschäften bei Fußball-Vertragsamateur-Verträgen) mit Auswirkungen auf die Regionalliga bis hinunter in die Kreisligen, die neu zusammengesetzt werden mussten. Dazu das Entwickeln eines regionalen Sportmagazins und dessen anschließende Leitung zusammen mit meinem damaligen Kollegen Peter Kuntz.

3 x Journalismus

Das Ansehen des Berufsstands ist seit Jahren schlecht. Die Arbeitsbedingungen sind es oft auch. Warum sind Sie eigentlich Journalist geworden?
Mein Berufswunsch war schon immer Lehrer gewesen. Ich wollte es einfach besser machen als viele meiner früheren Lehrer. Mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, das bedeutete für mich das Nonplusultra. Habe schon während meines Mathematik- und Sportstudiums Fußball-Jugendmannschaften trainiert (später auch Senioren), auch schon zwei Jahre lang als nebenberufliche Lehrkraft am Gymnasium gearbeitet. Doch dann war absehbar, dass es in den nächsten Jahren kaum Stellen am Gymnasium gibt. Da ich zur Finanzierung meines Studiums auch schon regelmäßig in der Sportredaktion der Rhein-Zeitung gearbeitet habe und meinen Vater schon während der Schulzeit als Berichterstatter von Fußballspielen für zwei Tageszeitungen vertreten habe, setzte ich Plan B, meinen zweiten Berufswunsch, um. Erst als freier Mitarbeiter, dann als Volontär und Redakteur.

In den letzten Jahren hat sich die Medienlandschaft stark gewandelt. Was hat sich für Sie persönlich verändert?
Meine persönliche Geschichte ist nicht im Wandel der Medienlandschaft begründet. Meine Entscheidung 2004, selbstständig zu werden, war frei gewählt, allerdings ein bisschen befördert dadurch, dass ich morgens oft nicht mehr mit Freude in die Redaktion gefahren bin – Auswirkungen des Führungsstils der neuen Chefredaktion. So bin ich zum Einzelkämpfer geworden. Die Teamarbeit, das Gespräch zwischendurch und ständiger Austausch mit Kollegen fehlt mir schon. Natürlich auch die Sicherheit eines sehr guten Gehalts, das jeden Monat pünktlich auf dem Konto ist.

#FakeNews, Verlust des Geschäftsmodells von Verlagen. Krisenmeldungen zum Journalismus gibt es genug. Was wird in Zukunft besser? Wo sehen Sie spannende Entwicklungen?
Während meiner Redakteurszeit habe ich mindestens zweimal im Jahr Fortbildungen besucht, die oft auch die Zukunft des Journalismus zum Thema hatten. Hatte sogar die Gründung einer eigenen Zeitung mit vielen spannenden Ideen im Kopf, was ich auch mit Experten ausgiebig besprochen habe. Das Umsetzen scheiterte hauptsächlich an der fehlenden Finanzkraft. Die Zeit für das Beobachten des Markts mit seinen Krisen und Chancen habe ich nun leider nicht mehr und kann dazu nicht viel sagen. Denke aber, dass es für uns Journalisten in Zeiten von Zusammenlegen von Redaktionen, Schreibrobotern und Leserreportern bestimmt nicht besser wird. Honorarvorstellungen (20 Cent pro Zeile oder nur wenig mehr) bei vielen Zeitungen sind eine Unverschämtheit. Qualitätsjournalismus mit vernünftiger, sauberer Recherche zum Beispiel scheint mir nicht mehr gefragt zu sein, von Ausnahmen bei überregionalen Tageszeitungen und auch bei zahlreichen Magazinen abgesehen. Auf der anderen Seite, auf der Journalistenseite, ist es manchmal unfassbar, welchen Unsinn man bei der Recherche findet – vielleicht eine Konsequenz der Unverschämtheiten. Der gleiche Sachverhalt zum Beispiel kann auf mehrere Arten dargestellt werden, die sich allerdings gegenseitig ausschließen. Daher benutze ich auch gerne Recherchescout für verlässliche Informationen.

3 x Praktisch

Was ist Ihr wichtigstes Arbeitsutensil (außer Laptop und Smartphone)?
Desktop-PC, Festnetz-Telefon, kein Smartphone, sondern ein Mobiltelefon, mit dem man nur telefonieren kann, ein Auto für die Einladung der Festgäste, dann Block und Stift zum Austüfteln der Rechenrätsel. Und das Wichtigste: Kaffeemaschine.

Welche Tools (außer Recherchescout) nutzen Sie für die Recherche?
Vorwiegend Google und viele Internetseiten von Unis, Wissenschaftlern, Unternehmen und Organisationen, die mein Themenspektrum von Politik, Wissenschaft, Gesundheit, Gesellschaft über Lifestyle, Geschichte, Psychologie bis hin zu Freizeit abdecken.

Medientipps: Welche Zeitungen und Zeitschriften lesen Sie? Welche Blogs halten Sie für besonders interessant? Welchen Personen folgen Sie auf Twitter?
Jeden Morgen zum Frühstück die Süddeutsche Zeitung. Seit meinem zwölften Lebensjahr gilt für mich: Ein Frühstück ohne Zeitung ist wie Nudeln ohne Soße. Je nach Zeit und Angebot auch mal die Zeit, den Spiegel, den Stern und andere Publikationen. Abends die Nachrichten im Fernsehen, Sportinfos im Teletext von ZDF oder ARD. Twitter und Facebook sind kein Thema für mich. Dafür Florian Freistetters Mathematik-Kolumne auf spektrum.de.

Vielen Dank für Ihre Antworten, Dieter Möller!

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